Quotenfrauen

Mehr Frauen braucht das Land.

So schallt es immer wieder durch die Medien, sowohl in Österreich als auch im großen Nachbarland Deutschland. Das bezieht sich allerdings nicht auf die tatsächliche Anzahl der Frauen sondern auf ihre Präsenz in den Führungsetagen.

In der Bevölkerung haben Frauen schon lange die – quantitative – Oberhand. In den Aufzeichnungen der Statistik Austria werden schon seit 1869 (!) mehr Frauen als Männer gezählt. Auch in Deutschland gibt es lt. dem Statistischen Bundesamt mehr weibliche als männliche Bürger.

Doch trotz aller Fortschritte in unserer Gesellschaft, die Gleichberechtigung voranzutreiben; auch die Wirtschaft gehört zu den Stiefkindern. Sie ist noch immer von Männern dominiert. Das erklärte Ziel ist, die Frauen den Männern in jeglicher Sicht gleichzustellen und auch in beruflichen Positionen für Ausgleich zu sorgen. In Deutschland gibt es dazu das Bundesgleichstellungsgesetz. Die relative Quotenregelung betrifft seit einigen Jahren den Öffentlichen Dienst.  Im deutschen Politikerpool haben die Parteien für sich Frauenquoten eingeführt. Und was ist nun mit der Wirtschaft? Da wo es – dem Gefühl nach – wirklich um Geld, Macht und Einfluss geht? Nun, dort sind jegliche Bemühungen um gesetzlich festgelegte Quoten gescheitert. Manche Unternehmen haben für sich den Frauenanteil definiert. Andere nicht.

Im kleinen, feinen Österreich muss eine Ausschreibung streng für beide Geschlechter formuliert sein. Ansonsten sieht es mit gesetzlichen Regelungen – ebenfalls mit Ausnahme Öffentlicher Dienst – eher, nun ja, „mau“ aus. Im Bundes-Verfassungsgesetz gibt es zumindest Passagen, die sich für eine entsprechende Regelung aussprechen. Aber eine „Muss“-Verpflichtung Frauen in der Wirtschaft entsprechend ihrer Qualifikation beruflich gleichzustellen?

Irgendwo im – weiblichen – Hinterkopf tönt die Frage, ob eine gesetzliche Regelung den Frauen die hierarchisch-unternehmerischen Türen öffnet oder ihnen mehr Schaden bringt als Nutzen.

Denn plötzlich gibt es „Quotenfrauen“.

Ist diese Bezeichnung nicht gar schon eine Beleidigung für die betroffenen Frauen oder zumindest ein Begriff mit negativer Konnotation? Ja, meinte in einem Interview mit dem Standard auch die Rektorin der TU Wien, Sabine Seidler.

Immer Gefahr laufen, dass nicht die Leistung, sondern das Geschlecht als Maßstab herangezogen wird. Wenn nur die Quote zählt, wird der Trugschluss leicht, dass die Leistung kein Faktor sei. Und umgekehrt, was ist mit den Frauen, die ohne Quote auf leitenden Posten sitzen? Ist es gerechtfertigt, anzunehmen, sie seien besser als die sogenannten „Quotenfrauen“? Oder sie seien gar Welten besser als ihre männlichen Konkurrenten?

Sind Systeme so einfach zu erklären? Oder bleibt es nicht ein Sammelsurium an Faktoren und v.a. Menschen, die hier die Systeme begründen und letzendlich steuern?

Im Moment erscheint es tendenziell naheliegend, unter „Quotenfrau“ eine Beleidung zu verstehen.

Eine Beleidigung für eine gesamte Gesellschaft, d.h. ihre Angehörigen und Vertreter nach außen, die es im 21. Jahrhundert nicht schaffen, nicht in Mann oder Frau sonder in „Mensch“ zu denken.

KW 6/2012

izniak 02/12

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