Der gemeine Schwarzfahrer

Der gemeine Schwarzfahrer ist

* ca. 160 cm groß

* in der Menge sehr unauffällig

* oft vorlaut

* …und manchmal einfach nur unschuldig.

Ich ehre die Gesellschaft und die meisten ihrer Regeln. Ich glaube, Mensch braucht Regeln.

Daher kaufe ich – auch wenn ich keine Lust dazu habe – immer brav Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel.

Ob Köln, München, Wien, Barcelona, Amsterdam oder Paris.

Ich bin immer artig mit einem Ticket bewaffnet.

In der Stadt in der ich lebe, da brauche ich kein einzelnes Ticket zu kaufen. Das Firmenticket, das habe ich an sich immer dabei.

Denke ich.

Bis es ungültig ist, ohne meine Schuld.

Einfach deaktiviert. Von meiner Firma.

Das weiß ich aber (noch) nicht.

Aber eines Fehlers bin ich mir sicher.

Der Kontroleuse ist´s egal und einen Strafzettel wert.

Den Regeln entsprechend beiße ich mir auf die vorlaute Zunge und schaue zu, wie sie mein Ticket in ihre Tasche packt.

Den Regeln entsprechend informiere ich die Firma.

Kurz darauf weiß ich Bescheid.

Mein Ticket, das wurde deaktiviert. Eine unglückliche Überschneidung. Nicht mein Fehler.

So lautet es. Wahrheitsgetreu. Zumindest der letzte Teil.

Ich bekäme ein neues. Wann?

„Vielleicht schon nächste Woche.“

Wann genau? Muss ich die Strafe zahlen?

„Je länger Sie mit mir reden, desto länger dauert´s.“

Sprachlos.

Gut, ab jetzt Tickets einzeln kaufen. Bis auf Widerruf.

Vom Busfahrer gleich mal nicht mitgenommen.

Weil ich nur einen 50-Euro-Schein habe.

Könne er nicht wechseln.

Wutentbrannt einen Behördentermin versäumt.

Eine Woche und gefühlte 100 Telefonate später noch immer kein Ticket.

Endlich habe ich jemanden an der Strippe.

„Wer sind Sie? Ach so! Ja, ich denke das ist schon raus, das Ticket. Schauen Sie mal in Ihrer Post nach.“

Keine Post.

Schon wieder fast eine Woche und einige unbeantwortete Anrufe und eMails später.

„Wer sind Sie? Ach so! Ich schau mal welche rausgegangen sind. Der Strafzettel? Gut, bringen Sie den mal vorbei.“

Wieder eine Woche ohne Ticket. Zornentbrannt schalte ich die oberen Stufen der Hierarchie ein. Den Regeln entsprechend.

Plötzlich geht es ganz schnell.

Ich darf mir das Ticket persönlich beim Verkehrsbetrieb abholen.

Große Entschuldigung, großes TamTam.

Am Nachmittag mit dem Ticket in der Tasche fühlt sich das Leben wieder richtig fair an.

Wie schön gerecht die Welt doch sein kann.

Wie schön, dass dann doch irgendwo jemand sitzt, der über das Einhalten der Regeln wacht.

 

Ein Tag später.

Ich habe Post!

Eine Mahnung.

Mein Strafzettel, der wurde nicht bezahlt………..

Die Regeln, die können mich mal.

Echte Schwarzfahrer leben vermutlich ruhiger.

KW 13/12

izniak 03/2012

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