Paris. Klappe, die 2.

Bei Paulo Coelho finden sich in „Like the Flowing River“ unter anderem auch Tipps oder Ratschläge zum Reisen. Zum Beispiel sollte Mensch bevorzugt alleine reisen. Mensch sollte Cafés und den Kontakt zu den „Einheimischen“ den Museen und Touristenansammlungen vorziehen.

Ersteres ohnehin eine Leidenschaft. Zweiteres in besonderer Deutlichkeit an einem wunderbar einsamen Nachmittag an der Seine erneut erlebt.

Einsam unter Massen von Touristen. Und gerade deshalb so wunderschön. Die Feinheit und die Freiheit liegt im Detail.

Statt Fotos Austropop auf den Stufen vor Sacre Coeur. Die Stadt nach den Gewittern des vergangenen Tages und dem Fête de la Musique zu Füßen. Die Zeit scheint stillzustehen. Die Gedanken tun es nicht.

Wie lebt es sich hier wohl wirklich? Wie dunkel sind die Pariser Schattenseiten, die von Sacre Coeurs Höhe unbelichtet bleiben.

Das Ziel des noch jungen Tages: zu Fuß von Sacre Coeur bis zum Tour Eiffel. Statt Louvre oder Bastille ein Streunen durch die Stadt. Straßenzüge werden meist nach Richtung, selten nach Karte gewählt. Sich treiben lassen. Vier Stunden quer durch die Stadt. Durch Pigalle, vorbei am Louvre, ein Stück durch den Jardin des Tuileries.

Über die Seine, das Wasser spürbar nahe unter den Füßen. Die Gedanken fließen mit ihm davon. Vertreibt Klatschen wirklich Elefanten? Was tut Watzlawick plötzlich in Menschs Kopf?

Klar, es geht nur am Rande um die Elefanten. Eine Metapher. Für…? Angst?

Wenn Mensch nun Angst hat vor dem Stillstand, wenn Mensch ihn permanent zu vermeiden sucht, bleibt er erst recht stehen? Das Klatschen macht die Elefanten? Bleibt Mensch stehen wenn er „höher, schneller, weiter“ nicht mitmachen will oder kann? Oder ist das am Ende gar nicht wichtig? Bleiben diese Gedanken letztlich kleinen Kieselsteinen am Grunde der Seine gleich? Die der Lauf des Flusses und der Zeit mit sich trägt. Um sie irgendwann in der großen Mündung verschwinden zu lassen.

Am Palais Bourbon taucht Mensch erneut in die Metropole ein. Die Metropole, die plötzlich an vielen Stellen zu schlafen scheint. Vorbei am Armeemuseum. Links dahinter im Augenwinkel die goldene Kuppel des Invalidendoms. Rechts die Dachkonstruktionen des Grand Plalais und Petit Palais.

Während der Tour Eiffel mit jedem Schritt größer wird, scheinen die Gedanken demütiger zu werden. Leiser.

Ein Café in der Nähe des Hotels im 15. Arrondissement. Tagesziel erreicht. Einmal durch Paris. Von Sacre Coeur zum Tour Eiffel. Zu Fuß. Gedanken (weg-)laufen. Mensch sitzt in einer Blase aus Pariser Lebensstil. Trotz touristisch-babylonischer Mehrsprachigkeit dominiert das sonore Französisch. Der Wunsch hierzubleiben. Die Gedanken kreisen erneut, wie der Löffel in der Café-au-lait-Schale.

Und wenn er Recht hatte? Wenn Watzlawick es auf den Punkt gebracht hat? Wenn das Klatschen die Elefanten erst real macht anstelle sie zu vertreiben?

Dann wird das Rennen und Suchen eines Menschens wohl nie zum Ankommen reichen. Weder in Paris noch sonst wo.

KW 25/12

izniak 06/2012

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